
Interview mit Jeanette Knopf - Assistenzärztin in der Neurologie und klinischen Neurophysiologie


Frau Jeanette Knopf ist Assistenzärztin in der Abteilung für Neurologie und klinische Neurophysiologie und seit 2005 im Evangelischen Krankenhaus Wesel beschäftigt.
Seit wann sind Sie im Evangelischen Krankenhaus Wesel tätig?

Ich habe am 01.05.2005 im EVK angefangen zu arbeiten. Es war meine erste Stelle nach dem Medizinstudium. In der Zeit vom 19.08.2008 - 31.08.2009 habe ich meine Tätigkiet hier für 1 Jahr zur Absolvierung meines zur Facharztausbildung notwendigen Jahres in der Psychiatrie unterbrochen.
Wie gefällt Ihnen die Arbeit hier und was macht das Evangelische Krankenhaus Wesel aus?

Die Arbeit als Assistenzärztin gefällt mir hier insgesamt sehr gut. Natürlich gibt es (wie in allen anderen neurologischen Abteilungen) genug Arbeit. Zudem bevorzuge ich die Arbeit in einem „kleineren“ Haus, das keinem Klinikverbund angehört, da die „Wege“ kürzer und unkomplizierter sind.
Die neurologische Abteilung ist wegen des großen Einzugsbereiches trotzdem relativ groß und bietet ein breit gefächertes Krankheitsspektrum. Die Struktur (1-3-9) lässt nach der Umstrukturierung im September 2009 auch im Tagesverlauf Zeit, Funktionsbereiche und Briefe während des „normalen“ Tagesdienstes durchzuführen.
Wie würden Sie das Arbeitsklima bei uns beschreiben?

Das Arbeitsklima im EVK Wesel ist natürlich und locker. Innerhalb der Abteilung, aber auch mit den anderen Fachrichtungen, der Pflege, der Verwaltung, den Therapeuten u.a. ist es eher ein Miteinander im Team arbeiten, als ein nebenher.
Innerhalb der Abteilung Neurologie werden die meisten Angelegenheiten völlig unbürokratisch entweder in den täglich zweimal stattfindenden Übergaben besprochen und dann im Team entschieden. Man kann aber auch, die Oberärzte oder den Chefarzt jederzeit ansprechen, wenn es Dinge sind, die einen persönlich betreffen. Sie sind über Funk jederzeit erreichbar und immer hilfsbereit.
Bei Entscheidungen, die die Abteilung betreffen, wird man auch mit einbezogen und die Meinung der Assistenten wird hier auch berücksichtigt. Auch wenn man Angelegenheiten z.B. die Personalabteilung betreffend hat, setzt sich der Chefarzt für einen ein.
Auch zu den anderen Fachrichtungen besteht ein sehr enger Kontakt. In den Diensten trifft man mit den einzelnen Fachrichtungen zusammen und kann fächerübergreifende Patienten gemeinsam besprechen und auch behandeln. Dabei reicht meist der „kurze“ Dienstweg mit einem Telefonat.
Während des Tagesdienstes sind auch für die Assistenten der Neurologie die Oberärzte der anderen Fachrichtungen für Konsile jederzeit offen. In dringenden Fällen auch hier über ein Telefonat.
Die Pflege macht natürlich den größten Kontaktpunkt aus. Auch hier gilt, dass Teamarbeit im Vordergrund steht. Es ist üblich, dass wir als Ärzte auch jederzeit für die Pflegekräfte erreichbar sind und deren Anliegen ernst nehmen. Insgesamt ist die Pflege sehr erfahren im Umgang mit neurologischen Patienten und erkennt durch den engeren Patientenkontakt auch eher Verschlechterungen oder Auffälligkeiten im Krankheitsverlauf.
Gibt es in der Neurologie ein Einarbeitungskonzept für neue ärztliche Mitarbeiter?

Es gibt ein „Logbuch“ entsprechend der Weiterbildungsverordnung, das man bei Arbeitsantritt ausgehändigt bekommt. Darin werden die stattfinden Mitarbeitergespräche und die durchgeführte Funktionsdiagnostik dokumentiert. Zudem orientieren sich die Oberärzte und der Chefarzt bei der Einführung neuer Mitarbeiter an einer „Checkliste“. Bei dem Wechsel in einen neuen Funktionsbereich wird man als Assistent ebenfalls von dem diesem Funktionsbereich zugeteilten betreuenden Oberarzt/Chefarzt eingewiesen.
Wie ist die strukturierte Facharztweiterbildung aufgebaut?

Es findet eine ½ jährliche Rotation durch die Funktionsbereiche (EEG, EMG/NLG, evozierte Potentiale und Polysomnographie) statt. Zusätzlich werden ständig während des Stationsalltages die Doppler-/Duplexsonographie und die Liquorpunktionen durchgeführt.
Gibt es regelmäßige interne Fortbildungen?

Einmal wöchentlich wird eine interne Fortbildung durchgeführt. Dabei wird ein Thema vorgegeben und vom Chefarzt, den Oberärzten oder einem Assistenten vorbereitet und ca. ½ h vorgetragen. Dabei steht ausreichend Zeit für Diskussionen zur Verfügung. Gelegentlich können auch Vortragende aus anderen Fachbereichen oder Therapeuten als Vortragende gewonnnen werden.
Werden externe Fortbildungen durch den Arbeitgeber gefördert? Wenn ja, welche?

Die Kosten der für die Arbeit notwendigen Fortbildungen (z.B. Strahlenschutzkurs, Ultraschallkurs der DEGUM) werden vollständig (incl. der Fahrtkosten) vom Haus getragen. Es wird auch die Möglichkeit zur Weiterbildung Notarzt geboten. Auch wird die Teilnahme an externen fachbezogenen Weiterbildungen finanziell und organisatorisch unterstützt (Dienstherrenbewilligung, Fortbildungsurlaub etc.).
Fallen viele Überstunden an?

Seit einer Umstrukturierung im September 2009 fallen eigentlich keine Überstunden mehr an. Es ist jetzt tatsächlich die Ausnahme, länger zu bleiben.
Wann erfolgen Briefdiktate?

Die Briefdiktate erfolgen so weit wie möglich bereits kurz nach Aufnahme des Patienten durch den aufnehmenden Assistenzarzt. Es gibt ein einheitliches Konzept für den Aufbau des E-Briefes und für die häufigsten Krankheitsbilder auch Musterbriefe als Vorlage. Am Tag vor der Entlassung des Patienten übernimmt der Schreibdienst dann anhand der elektronischen Patientenakte und der Kurve die erfolgten Untersuchungen und fügt die aktuelle Medikation ein. Der Assistenzarzt ergänzt dann den stationären Verlauf und legt die Briefe zur Korrektur und Unterschrift dem jeweils zuständigen Oberarzt und Chefarzt vor. Sobald diese Korrektur erfolgt ist (in der Regel vor Entlassung des Patienten) ist der Brief endgültig. D.h. der Patient wird bereits mit dem endgültig fertiggestellten Brief entlassen und es gibt keine Briefe nach Entlassung mehr zu diktieren.
Gibt es einen Assistentensprecher?

Einen gewählten Assistentensprecher gibt es nicht. Die meisten Entscheidungen werden im Team getroffen und jeder kann sein Anliegen selbst vorbringen. Falls eine Vertretung z.B., gegenüber der Verwaltung notwendig sein sollte, wird diese im Einzelfall durch die Assistenten bestimmt.
Welche Untersuchungstechniken werden in der Neurologie angewandt?

Klinisch neurologische Untersuchung, LP, Extra- und Transkranielle Doppler-/Duplexsonographie der hirnversorgenden Arterien, EEG, SEP/VEP/AEP/ MEP/SSR, EMG/NLG, Polysomnographie, MRT/ CCT (durch die radiologische Gemeinschaftspraxis)
Würden Sie das Evangelische Krankenhaus Wesel als Arbeitgeber für junge Ärzte weiterempfehlen?

Ja, aus den hier genannten Gründen.





